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Carus-Preis 2016 für bahnbrechende Forschungen

Die Stadt Schweinfurt hat die Wissenschaftler Prof. Dr. Emmanuelle Charpentier und Prof. Dr. Hans Jakob Wörner für ihre bahnbrechenden Forschungen mit dem Carus-Preis 2016 ausgezeichnet. Seit dem Jahr 1962 verleiht die Gründerstadt der Leopoldina-Akademie den Trägern der Carus-Medaillen diesen mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Preis.

Carus-Preis 2016 - Foto Stefan Pfister (3)Mit der Carus-Medaille zeichnet die „Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften“ mit Sitz in Halle/Saale bedeutende Forschungen auf den Gebieten der Naturwissenschaft und Medizin aus. Die Medaille geht auf eine Stiftung aus Anlass des 50. Professorenjubiläums des ehemaligen Präsidenten der Leopoldina, Carl Gustav Carus (1789 – 1869), zurück. Sie wurde 1896 erstmals vergeben. Seit 1962 ist sie mit dem von der Leopoldina-Gründungsstadt Schweinfurt gestifteten Carus-Preis verbunden. Dieser wird seitdem alle zwei Jahre an die aktuellen Carus-Medaillen-Preisträgern verliehen.

Höhepunkte des Festaktes in der Rathausdiele am 26. April 2016 waren die Preisverleihungen an die beiden Carus-Preisträger. Carus-Preis 2016 - Foto Stefan Pfister (14)Die bereits vielfach ausgezeichneten Forscher hätten überragende Leistungen in ihrem Forschungsgebiet erbracht, waren sich die Laudatoren Prof. Dr. Hacker und Prof. Dr. Martin Quack einig. Die Mikrobiologin Prof. Dr. Emmanuelle Charpentier ist Direktorin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin und erhält den Carus-Preis der Stadt Schweinfurt für ihre „bahnbrechenden Arbeiten zur Genregulation sowie für die Entwicklung eines leistungsstarken Werkzeugs zur Gen-Editierung“. Der erst 35-jährige Prof. Dr. Hans Jakob Wörner zählt zu den herausragenden Physiochemikern seiner Altersgruppe weltweit. Ausgezeichnet wurde Wörner, der einen Lehrstuhl für Physikalische Chemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) innehat, aufgrund seiner bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Attosekundenspektroskopie.

Carus-Preis 2016 - Foto Stefan Pfister (9)Die Französin Charpentier zählt zu den Pionieren auf dem Gebiet der gezielten Veränderung des Erbguts mit Hilfe bestimmter Enzyme. Sie hat eine der Methoden des  „genome editing“ entwickelt, die „CRISPR-Cas9“-Methode. Es gelang ihr, einen Abwehrmechanismus in Bakterien zu entschlüsseln und diesen zu einem Werkzeug weiterzuentwickeln, mit dem gezielt Erbmaterial verändert werden kann. Der Präsident der Akademie, Prof. Dr. Jörg Hacker, lobte in seiner Laudatio die „Genschere“, die Erbmaterial aus der DNA herausschneiden kann; an diese Stelle könne dann zum Beispiel ein neues Stück DNA eingesetzt werden, erklärte Hacker und zitierte einige Schlagzeilen, mit denen die Medien diesen wissenschaftlichen Durchbruch feierten: „CRISPR: Die bessere Gentechnik“, „Ein Wunder gegen die Natur“ oder „Genchirurgie kann Krankheiten gezielt ausschalten“.

In ihrem anschließenden, übrigens komplett in englischer Sprache gehaltenen Vortrag erläuterte die Mikrobiologin, dass die Methode im Gegensatz zu den bisherigen Genom-Editier-Verfahren einfacher, flexibler, effizienter und kostengünstiger sei. Einsetzen könne man die Technik nicht Carus-Preis 2016 - Foto Stefan Pfister (10)nur in der Humanmedizin und medizinischen Forschung, sondern auch in der Landwirtschaft beim Anbau von neuen Pflanzenzüchtungen. Ebenso könnten damit neue Gen-Therapien entwickelt werden, erläuterte Prof. Charpentier.

Das Spezialgebiet des zweiten Carus-Preisträgers Prof. Dr. Hans Jakob Wörner ist die Zeit. Bei dem Physiochemiker geht es allerdings um bislang kaum erfassbare Zeitabstände - und zwar um den Trillionstel Teil einer Sekunde, genannt eine Attosekunde. In dieser Zeit ist es möglich, mittels spektroskopischer Methoden chemische Reaktionen auf Molekülebene zu beobachten. Am ETH Zürich leitet er eine Forschungsgruppe, die sich mit der zeitaufgelösten Spektroskopie von Molekülen auf der Attosekunden-Zeitskala befasst. Ähnlich wie bei einem Foto eines Carus-Preis 2016 - Foto Stefan Pfister (2)superschnellen Gewehrgeschosses, das nur bei extrem kurzem Blitzlicht überhaupt erst sichtbar und scharf wird, benötigt man hierzu einen Lichtstoß  - der aber nur exakt eine Attosekunde dauern darf. Dies geschieht mit einem Laser-Impuls. Der Stromverbrauch, so Wörner in seinem unterhaltsamen Vortrag, sei allerdings exorbitant; daher sei der Impuls lediglich für eine extrem kurze Zeitspanne überhaupt möglich.

Laudator Prof. Dr. Martin Quack lobte die Leistung Wörners, die dazu beigetragen habe, neue Horizonte der chemischen Reaktionsdynamik zu erschließen. Seine Forschung könne die Grundlage für viele zukünftige Entwicklungen im Bereich der extremen Kurzzeittechnologie sein. Wörner selbst skizzierte schon einmal einige mögliche Einsatzgebiete in den nächsten 20 Jahren, unter anderem nannte er die Informationsverarbeitung. „Die Möglichkeiten wären unvorstellbar!“

Carus-Preis 2016 - Foto Stefan Pfister (5)Der Präsident der Leopoldina-Akademie hatte eingangs des Festaktes an die Anfänge und die Bedeutung der beiden Preise erinnert. Die beiden Städte Halle und Schweinfurt, so Prof. Dr. Jörg Hacker, haben stets einen intensiven Kontakt zueinander gepflegt, selbst während der deutschen Teilung. Dies verdeutliche schon allein die Stiftung der Amtskette des Präsidenten der Akademie durch die Stadt Schweinfurt in jener Zeit. Es sei es eine schöne Tradition, dass der Carus-Preis in der Gründungsstadt der Leopoldina vergeben werde. Er dankte der Stadt für die Gastgeberschaft, auch für die einen Tag später abgehaltene Präsidiumssitzung. Die erstmals in Schweinfurt abgehaltene Tagung befasst sich laut Hacker unter anderem mit einigen Neuordnungen in der Struktur der Nationalakademie.

Carus-Preis 2016 - Foto Stefan Pfister (4)Zuvora hatte Oberbürgermeisterin Sebastian Remelé die rund 100 Gäste der öffentlichen Preisverleihung begrüßt, darunter alle Präsidiumsmitglieder der Leopoldina. In seinem Grußwort ging der OB auf die Gründung der  Leopoldina am 1. Januar 1652 durch vier Ärzte in der damals Freien Reichsstadt Schweinfurt ein, die sich „Academia Naturae Curiosorum“ nannte. Ihr Ziel sei die Aufklärung auf dem Gebiet der Heilkunde und den daraus hervorgehenden Nutzen für die Mitmenschen gewesen. Weil Kaiser Leopold I. sie 1687 zur Reichsakademie erhob, führte sie ab diesem Zeitpunkt zusätzlich die Bezeichnung Leopoldina in ihrem Namen.

Carus-Preis 2016 - Foto Stefan Pfister (1)Musikalisch gestaltet wurde der Festakt von Alina Pfister, einer jungen Pianistin der Musikschule Schweinfurt. Im Anschluss an die Preisverleihung trugen sich die Preisträger in das Goldene Buch der Stadt Schweinfurt ein und Oberbürgermeister Sebastian Remelé lud noch zu einem Empfang in die Obere Diele des Rathauses ein. Hier bot sich die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit den Wissenschaftlern und Präsidiumsmitgliedern der Leopoldina-Akademie.

(Text und Fotos (c): Pressebüro Stefan Pfister)


Weitere Informationen zu diesem Thema:
Internetseite der Leopoldina-Akademie: www.leopoldina.orgexterner Link

 

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