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Coronavirus – wir brauchen Helden keine Hetzer

Stellungnahme der Stadt Schweinfurt zu dem medienwirksamen Vorfall in der Teststelle am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium

Corona ist für die ganze Welt eine noch nie da gewesene Herausforderung. Es geht dabei um Leben und Tod vieler Menschen. Um die Ausbreitung dieses Virus in den Griff zu bekommen, arbeiten in allen Gemeinden, Dörfern, Städten und Ländern tausende Menschen in für sie unbekannten Bereichen, in nicht gewohnten Tag- und Nachtschichten und viele davon nah an möglicherweise infizierten Personen.

In der Teststelle des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Schweinfurt zum Beispiel braucht es Personal, das es eigentlich nicht gibt. Alles, was dort geleistet wird, leisten ehrenamtliche Kräfte von Rettungs- und Hilfsdiensten, aus der Ärzteschaft und anderen Organisationen und Verbänden. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung geben ihr Bestes; in Arbeitsbereichen, die sie nicht kennen, in einer Situation, die für uns alle belastend ist. 
Erst vergangene Woche wurden die Kapazitäten erhöht, um noch mehr Tests pro Tag abnehmen zu können, was bedeutet: wir sind auf noch mehr Engagement der Ehrenamtlichen angewiesen. 

Wo Menschen arbeiten, können Fehler passieren. So berichten die Medien darüber, dass es am Dienstagabend, 01.04. dazu kam, dass die Eingangstüre zur Teststelle nicht abgesperrt war, obwohl sie hätte geschlossen sein müssen. Wohl war auch ein Computer geöffnet. 
Dies zeigt ein Video einer online-Ausgabe eines Boulevardblattes, dass der Stadt Schweinfurt am Mittwoch, 02.04. vorlag.
Wir stellten fest, dass:  
- die Person, die das Video aufnimmt, Handschuhe und Mundschutz trägt, was nicht danach aussieht, als sei sie zufällig und spontan während eines Abendspaziergangs dort hineingegangen (so geschildert in der Reportage sowie in einem Anwaltsschreiben)
- zusätzlich zur Eingangstür auch die Tür zum Arztzimmer geöffnet ist, die von außen nicht geöffnet werden kann und üblicherweise geschlossen ist, weil die Ärzte das Gebäude durch den Seiteneingang verlassen
- die Sicherheit und Geschwindigkeit, mit der die von Beginn an filmende Person das Gebäude durchschreitet, vermuten lässt, dass die Person das Gebäude bereits vor den Filmaufnahmen betreten hatte
- die Art und Weise der Sprache nicht für einen besorgten Bürger (für den sich die Person ausgibt) handelt, der zu den üblichen Zeiten niemanden antrifft
- man einen einzigen offenen Laptop (nicht wie geschildert mehrere offene Computer) sieht und man außer, dass eine Excel-Liste geöffnet ist, nichts weiter erkennt. 

So hinterlässt bereits die Art und Weise dieses Videos viele Fragezeichen. Zufällig kommt jemand an der Teststelle vorbei, dem dann zufällig einfällt, dass er ja auf einen Rückruf des Gesundheitsamts zur Terminvereinbarung wartet. Zufällig versucht diese Person, nachdem sie ihre Handykamera eingeschaltet hat und obwohl im Gebäudeinneren niemand zu sehen ist, die Tür zum Wartebereich zu öffnen. Zufällig ist auch die Arztzimmertür geöffnet, so dass die Person in den Arbeitsbereich der Teststelle gelangen konnte und dort zufällig ein offenes Notebook im Arztzimmer in Betrieb ist. Zufällig ist kurz darauf ein Kamerateam einer online-Ausgabe eines Boulevardblattes zur Stelle, um den Abendspaziergänger zu interviewen. Aus Sicht der Stadt Schweinfurt sind das einige Zufälle zu viel.

Die Stadt Schweinfurt hat deshalb das Video der Polizeiinspektion Schweinfurt für die Ermittlungen zur Verfügung gestellt und gleichzeitig Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt. Die PI Schweinfurt ermittelt auch wegen eines Verstoßes gegen die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung des Freistaats Bayern. 

Nach aktuellem Stand verfestigt sich nun auch die Tatsache, dass das Gebäude sehr wohl verschlossen hinterlassen wurde. Es muss daher sogar davon ausgegangen werden, dass sich die Person, die das Video aufgenommen hat, selbst Zugang zum Gebäude verschafft haben könnte.

Stadt und Landkreis Schweinfurt, Gesundheitsamt und Polizei arbeiten mit Hochdruck daran, den Vorfall aufzuklären, auch um eventuelle Sicherheitsmängel beheben zu können. Vorsorglich wurde seitens der Stadt Schweinfurt auch selbst Kontakt mit dem Landesbeauftragten für Datenschutz aufgenommen und der Vorfall entsprechend gemeldet. Sollten unsererseits Fehler passiert sein, werden wir dafür einstehen.

Doch selbst wenn wir davon ausgehen, dass die Türe der Teststelle nicht verschlossen war, stellen wir die Fragen: Rechtfertigt eine solche Situation, dass ich als möglicherweise mit dem Coronavirus-Infizierter ohne Einladung und Termin des Gesundheitsamtes unangemeldet und nach den offiziellen Öffnungszeiten die Teststelle aufsuche? Dass ich die Situation ausnutze, ein fremdes Gebäude betrete und mit dem Handy Videoaufnahmen der gesamten Einrichtung mache? Dabei die in der Einrichtung notwendige Trennung von Rein- und Schmutzbereichen nicht beachte und möglicherweise Reinbereiche kontaminiere? Anschließend einen Anwalt einschalte, die Boulevardpresse informiere, um kurz darauf vor Ort eine Reportage zu ermöglichen und hierfür Interviews gebe?

Unwahr – und zudem widersprüchlich zu der Aussage, einen Abendspaziergang gemacht zu haben – ist die Behauptung, die Person habe einen Termin vom Gesundheitsamt gehabt. 
Auch unwahr ist, dass auf dem Notebook Testergebnisse offen eingesehen werden konnten. Testergebnisse sind frühestens 1-2 Tage nach dem Test vorhanden und werden direkt dem Gesundheitsamt gemeldet. Vor Ort in der Teststelle kommen diese nicht an und werden dort auch nicht ins System eingepflegt.

Wir alle stehen vor einer nie dagewesenen Situation. Erstmals wurde für ganz Bayern der Katastrophenalarm ausgelöst. Wir tun in Stadt und Landkreis Schweinfurt alles dafür, diese Krise bestmöglich zu meistern. 

Und wir betonen ausdrücklich, dass wir sehr dankbar sind für den Einsatz und das Engagement aller Menschen, die in der Teststelle unter diesen besonderen Bedingungen arbeiten. Sie kommen täglich bewusst mit bis zu 100 möglicherweise Infizierten zusammen und gehen damit auch ein gewisses Risiko für ihre eigene Gesundheit ein, die ihrer Familien. Diese Helden brauchen wir – für die Hetze anderer haben wir kein Verständnis und keine Zeit. 
 

zuletzt geändert: 03.04.2020

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Tel: +49 (9721)51-0
Fax: +49 (9721)51-266
E-Mail: buergerservice@schweinfurt.de

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