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TanzensembleEbracher Hof (mgs)Stadttheater (Foto: Andreas Hub)Kunsthalle (Foto: Peter Leutsch, Schwebheim)

Schöne heile Welt: Ludwig Richter Ausstellung im Museum Georg Schäfer

Das Georg Schäfer Museum präsentiert vom 20.10.2019 bis 19.01.2020 die Sonderausstellung: „Ludwig Richter: Schöne heile Welt“. 

e3Generationen wuchsen mit den Bildern Ludwig Richters auf, blätterten durch die beliebten Richter-Alben und sahen die deutschen Märchen und Sagen mit seinen Augen. Richter galt bereits zu Lebzeiten als Legende. Im Laufe der letzten Jahrzehnte verlor er jedoch wahrnehmbar an Bekanntheit. Vom personifizierten deutschen Kulturgut wurde er zu einem Künstler, mit dem heute außerhalb der Museen fast nur noch die ältere Generation etwas anzufangen weiß. Auf den ersten Blick scheinen Richters Persönlichkeit und Werk in Vielem konträr zu heute vorherrschenden Ansichten über Kunst und Künstler: seine stillen Winkel idealen Glücks, seine Bilder, die Wohlgefühl und Schönheit vermitteln möchten, die ein religiöses Weltbild vertreten, dazu das Niedliche, Kleinbürgerliche und Liebenswerte. 

Andererseits entdeckt man bei Ludwig Richter auch aktuell Schätzenswertes. Hierzu zählt seine authentische Wirkung, die fast perfekte Einheit aus Persönlichkeit, Überzeugungen und Werk. Richter arbeitete in seinen Lebenserinnerungen gezielt an seinem „Image“. Es gelang ihm, einen unverkennbaren Stil zu entwickeln. Er machte es sich zudem zur Aufgabe, zum Nachdenken und moralischen Handeln anzuregen und er schaffte es nicht zuletzt, schon zu Lebzeiten zum lebenden Nationaldenkmal zu werden. 

Wer sich aber heute ernsthaft auf Ludwig Richter einlässt, der wird herausgefordert und stößt immer wieder auf Dilemma-Momente: Bewertet man Richter als Maler oder Grafiker? War er ein kommerzialisierter Künstler? Was macht man heute mit seiner Frömmigkeit, mit den deutschen Werten und Tugenden, die er vertritt und die immer wieder nationalistisch instrumentalisiert wurden? Wie bewertet man seine Auffassung von Kunst im Vergleich mit den Avantgarden seiner Zeit? All das macht eine Beschäftigung mit Ludwig Richter überaus spannend.

Zugleich bietet er viele Anknüpfungspunkte an aktuelle Themen, z. B. wenn er an seinen Sohn schreibt: „Zeitverhältnisse, die mit Ekel u. Sorge erfüllen […] Geld, Wucher, Spekulationen der wildesten Art […] wohin soll das alles führen“? Richter (1803-1884) erlebte in den über 80 Jahren seines Lebens Kriege, Zerstörungen, Unruhen, Aufstände und den Lebenswandel im Zuge der Industrialisierung. Der Großteil seiner Werke zeigt jedoch Idyllen, Märchen, eine Welt der Familie, der guten Nachbarschaft, des gemeinschaftlichen dörflichen und kleinstädtischen Lebens, ein Leben in Harmonie mit der Natur und den Tieren – eine schöne heile Welt. Das Spannungsfeld zwischen Realität und Idealität ist für Richters Oeuvre ein zentrales Thema.

01 Richter_WaldbrunnenUmso erstaunlicher ist, dass ihn ausgerechnet die Generation „Neo-Biedermeier“ kaum mehr kennt, die vor dem Hintergrund aktueller Ängste und Bedrohungen Traditionen und Heimatbegriff neu belebt, die in Schlagern, Handarbeit oder dem Eigenheim mit Hund moderne idyllische Sehnsuchts- und Rückzugsorte sucht. Was Ludwig Richter im Bereich der Malerei, der Zeichnung und Illustration im 19. Jahrhundert als Gegenwelten zu den Krisen seiner Zeit verwirklichte, zeigt sich heute in abgewandelter Form in vielen anderen Bereichen des Lebens, in Unterhaltung, Werbung und Freizeitkultur. Man muss konstatieren: Die Sehnsucht nach einer heilen Welt ist nicht unmodern.

Richters Kunstauffassung wurzelte in der Romantik, in seinem Glauben und in Tugenden wie Anstand und Bescheidenheit. Schon 1825 kritisierte er, dass Kunst vielfach nur angenehmes Reiz- und Aufmunterungsmittel für langweilige Stunden sei, grell oder seicht, schwach und flach. Weiter heißt es: „Meines Erachtens soll die Kunst nur unsere schönsten, reinsten Stunden füllen, uns aus der farblosen Wirklichkeit in das bunte Reich der Phantasie versetzen, wo der trübe Flor von den Erscheinungen genommen ist, und das ganze Leben sich rein und groß zeigt, Vergangenheit, Zukunft und Gegenwärtiges umschließend. Sie soll den Staub und Schmutz, die Kruste, die sich sobald im Leben um Herz und Gemüth legt, abnehmen und uns mit einem freien, reinen und großen Blick entlassen.“

Man nannte Richter den zeichnenden Poeten, der das Anmutige, das Schöne und die harmonische Linie liebte. Seine Bilder sind oft von kindlicher Naivität geprägt, von hellen, leuchtenden Farben, von liebevoll ausgeführten Details, Phantasie und einer auf den ersten Blick verständlichen Bildsprache. Darüber gerät manchmal in Vergessenheit, dass er auch ein fantastischer Zeichner und Bildkompositeur war, dass er feste Überzeugungen hatte, die er vermitteln wollte und hierfür auf ein breit gefächertes, vor allem literarisches Wissen zurückgriff.

Die Ausstellung basiert auf dem reichen Richter-Bestand in Schweinfurt im Museum Georg Schäfer und im Museum Otto Schäfer. Hinzu kommen Leihgaben aus den bedeutenden Richter-Sammlungen in Dresden, Berlin, Leipzig und Essen. Mit insgesamt etwa 150 Exponaten (Gemälden, Zeichnungen, Druckgraphiken) möchte die Präsentation den Künstler Ludwig Richter nach längerer Zeit wieder einmal vorstellen und seine Bildwelt aus heutiger Sicht betrachten. 

02 Richter_AbendandachtSie stellt sein Leben vor: seine Anfänge als Ansichten-Zeichner in Dresden, seinen Italien-Aufenthalt, seinen Weg zum erfolgreichen Illustrator, der für diverse Verlage tätig war, der den Holzschnitt und Holzstich in Deutschland beförderte, der Maßstäbe in der Kinderliteratur setzte, der Biblisches, Märchen, Sagen und die Werke der namhaftesten Dichter mit Bildern versah.
Jeweils eigene Räume sind in der Ausstellung den Themen Idyll / Märchenwelt / Glaube, Liebe und Hoffnung gewidmet. Ihnen steht das Unidyllische gegenüber, das sein Werk durchaus auch beinhaltet. Auch, dass der Künstler schon zu Lebzeiten als lebendes Nationaldenkmal galt, soll Thema sein. Hierzu gehören die Richter-Verehrung bis ins 20. Jahrhundert sowie sein Einfluss auf z. B. Walt Disney, der Bildideen teilweise direkt übernahm.

Die Ausstellung wird von einem Katalog begleitet, in dem verschiedene Autoren u. a. Richters Selbstdarstellung (in der es wesentlich um die Einheit von Leben und Werk geht), seine Rolle für Buch und Druckgraphik, die Zeitumstände seines Schaffens, seine Kunstauffassung und Wahrnehmung sowie die Bezüge zur Sehnsucht nach der heilen Welt heute beleuchten werden.

Zur Ausstellung gibt es außerdem ein Kindermuseum:

Der Bildermann – Ludwig Richters Kinderwelt

Ludwig Richter hat wie kaum ein anderer Künstler auch Kunst für Kinder geschaffen. Er schilderte nicht nur in liebevollster Weise Szenen aus dem kindlichen Alltag, die vom damaligen Leben erzählen, von den Freuden und manchmal auch den Nöten, sondern schuf als Illustrator unzähliger Texte ebenfalls Bilder zu Märchen, Legenden, Fabeln und anderen Erzählungen. Dabei unterhielt und fesselte er seine kleinen Leser aufs Beste, spannend, mitfühlend und mit wunderbaren Zeichnungen. Zu seiner Bilderwelt gehören Ritter und Prinzessinnen, putzige, oft sehr menschliche Tiere, kleine Abenteurer, Momente der Freundschaft, des Familienzusammenhalts und vieles mehr.  Das Kindermuseum gibt die Möglichkeit zum Entdecken dieser Bilderwelt und zum Vergleich vom Kinderleben damals und heute. Es unterteilt sich in einen speziell für Kinder eingerichteten Ausstellungraum und einen Mitmachbereich. Bücherecke, Fotowand, Historisches zum Thema Kindheit im 19. Jahrhundert, praktisches Ausprobieren der Technik des Hochdrucks und ähnliches wird im Kindermuseum zu erleben sein. 

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Museum Otto Schäfer, Schweinfurt. 10  Pohle_Richter

Kuratorin: Dr. Karin Rhein 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Sandstein Verlag:
Ludwig Richter. Schöne heile Welt
Mit Beiträgen von Karin Rhein, Georg Drescher, Rebecca Erken, Rudolf Kreutner, Désirée Noffke und Saskia Pütz
264 Seiten, 189 Abbildungen, 
ISBN 978-3-95498-503-6
33,50 €
Buchhandelsausgabe: 38,00 €

Öffnungszeiten: Di. 10 – 20 Uhr, Mi. – So. 10 – 17 Uhr
An jedem ersten Dienstag im Monat freier Eintritt für das gesamte Haus.

Eintrittspreise: 11,- Euro, erm. 9,- Euro

Eröffnung der Ausstellung:  Sa., 19.10.2019, 15 Uhr
  
Begleitprogramm

Kuratorenführungen mit Dr. Karin Rhein
Di., 22.10., 18.30 Uhr
So., 19.01.20, 14 Uhr, Abschlussführung

So., 20.10., 14 Uhr
Bilder schenken
Märchen mit der Märchenerzählerin Heidi Andriessens für Kinder und Erwachsene

Di., 05.11., 18 Uhr
In petto: Richter in Italien in Texten und Bildern 07 Richter_Weihnachtstraum
mit Dr. Karin Rhein

So., 24.11.2019, 14 Uhr
Konzert: „Märchenbilder“ –
Musik der Romantik für Flöte und Klavier mit Texten von de la Motte-Fouqué, Eichendorff und Heine
mit dem Duo Mattick-Huth

Di., 03.12., 18 Uhr
in petto: Von Richters Genoveva zu Disneys Bambi
mit Dr. Karin Rhein

Di., 14.1.2020, 18.30 Uhr
Lesung: Literatur!
Vea Kaiser: Rückwärtswalzer

Öffentliche Führungen:
Di. 18.30 Uhr
Sa. und So. 14 Uhr

Für Kinder und Jugendliche

So., 20.10., 14 Uhr
Bilder schenken
Märchen mit der Märchenerzählerin Heidi Andriessens

Do., 31.10., 10.30-13 Uhr
Herbstferien-Workshop für Kinder ab 6 Jahren
Hänsel und Gretel verliefen sich … im Museum Georg Schäfer  09 Richter Gefunden
mit Christine Friedrich-Weiß

So., 10.11., 13.30-16.30 Uhr
Manga-Zeichnen
Workshop für Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren
mit Manuela Kenntner

So., 24.11., 14 Uhr
Es war einmal… Wir gestalten den Schmuck für den Museumsweihnachtsbaum
mit Christine Friedrich-Weiß

So., 01.12., 14 Uhr
Illustrationsworkshop
mit Rebecca Mönch

So., 08.12.
Kunst für Kinder. Weihnachten bei Ludwig Richter
mit Christine Friedrich-Weiß

So., 05.01.2020
Kunst für Kinder. Drucken
mit Anne Hess 

Bildbeschreibungen und Copyrights (von oben nach unten)

1. (sowie Miniatur-Bild) Ludwig Richter: Am Brunnen, 1868, Sepia und Aquarellfarben über Bleistift, 15,4 x 25,6 cm, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
© Foto: Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

2. Ludwig Richter: Waldbrunnen bei Ariccia, 1831, Öl auf Leinwand, 47 x 61 cm, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
© Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Foto: Jörg P. Anders

3. Ludwig Richter: Abendandacht (Abendläuten), 1842, Öl auf Leinwand, 70 x 105 cm, Museum der bildenden Künste Leipzig
© Foto: Christoph Sandig/ARTOTHEK 

4. Leon Pohle: Bildnis des Malers Ludwig Richter, 1880, Öl auf Leinwand, 101 x 75 cm
© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
© Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Foto: Andres Kilger

5. Ludwig Richter: Weihnachtstraum, 1864, Feder in Schwarz, laviert, über Bleistift, Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett
© Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Foto: Dietmar Katz

6. Gefunden, Holzschnitt von August Gaber, In: Ludwig Richter: Für’s Haus. Herbst, Dresden [1861], Museum Otto Schäfer, Schweinfurt
© Foto: Museum Otto Schäfer, Schweinfurt

Kontakt
Stadt Schweinfurt
Markt 1
97421 Schweinfurt
Tel: +49 (9721)51-0
Fax: +49 (9721)51-266
E-Mail: buergerservice@schweinfurt.de

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